Sa
10
Dez
2011
Männer, Frauen, Motorräder
Eigentlich hatte ich mich zu einem Goenka Vipassana Meditations Kurs in Kathmandu angemeldet, aber der Tagesablauf in diesen Kursen, der standarisiert überall auf der Welt gleich über 10 Tage geht, hat mich in dem nun schon recht kühlen Kathmandu abgeschreckt.
Um 4 Uhr morgena aufstehen - bbrr und mit den kalten Knochen auf dem Kissen sitzen - autsch. Um 12 Uhr gibt es die letzte Mahlzeit - nene, das mache ich gerne wenn es wieder etwas wärmer ist in dieser magischen Stadt. Also habe ich umgebucht und verbringe 11 Tage Strandurlaub in Goa, dem indischen Ferienparadies wo endlose Sandstrände, ein weiches Meer und tägliche Massagen die Sinne verwöhnen.
Apropos Ferienparadies: Kaschmir geht es wieder gut!! Obwohl ich nur einmal dort war liegt mir Kaschmir sehr am Herzen, wahrscheinlich wegen meines damaligen kaschmirischen Liebhabers anfang der 90er. Kaschmiris sind gute Händler und ebenfalls wie die Newaris brilliante Kunsthandwerker und Künstler. Die feinsten Stickereien, Malereien und Schnitzereien kommen aus Kaschmir. Es sind sehr schöne Menschen und kernige Männer. Leider war Kaschmir 25 Jahre in einem unentschiedenen garstigen Krieg (über den man in Europa kaum was erfahren hat). Um so mehr freut es mich das nun der Tourismus dort auf den Lotusseen wieder blüht und die Hausboote ausgebucht sind. Kaschmir atmet auf wie wunderbar.
Zurück zu Goa, die Inder glauben überall Party haben zu müssen und das eigentliche Folterinstrument Asien sind schlechte laute Boxen. In jedem Restaurant läuft laute Teckno und Disco Musik, es fehlt Ihnen das Gefühl für die leisen Töne.
In Bodhgaya z.B. dem kleinen Ort in Bihar, in dem Buddha unter dem Bodhi Baum Erleuchtung fand gibt es Hänger zu mieten, die von einem Traktor gezogen werden. Diese Hänger bestehen nur aus Lautsprechern und Boxen und sie werden für Geburtstage, Hochzeiten o.ä. gemietet. Dann fahren sie damit durch Bodhgayas Strassen bis in die frühen Morgenstunden und terrorisieren mit Ihrem Tecko Sound die Pilger, Ordinierte und Dorfbewohner nur damit einige wenige betrunkene Männer dahinter her tanzen (klar - die Frauen tanzen nicht).
Und wie so oft in Indien nehmen es alle gelassen hin.
Ebenfalls mit Gelassenheit reagiert keiner wenn sich agressive junge Typen auf ihren Mopeds durch eine Fussgängermenge hupen, ach ja, die Hupe ist ein weiteres Folterinstrument.
Sie ist die wichtigste und fast einzige Verkehrsregel. Würde hupen verboten bräche alles zusammen, auch ein beliebtes Mittel aufgestaute Agressionen los zu werden und auch die gibt es hier reichlich, oft aus sexuller Frustration. Nicht nur das immer noch die Eltern über das Zusammenkommen von jungen Paaren massgeblich entscheidet und das Kastensystem, sondern auch eine andere Dynamik zeigt Früchte. Da Eltern mit einer Tochter keine Zukunft haben, da diese in die Familie des Mannes vergeben wird und die Mitgift oft sehr hoch ist,
da jeder einen Stammhalter haben möchte und Frauen das Geschlecht zweiten Ranges sind (wenn überhaupt), so werden Mädchen gerne abgetrieben oder anderswie "entsorgt".
In den Dörfern ist das noch ausgeprägter als in den Städten.
In China gilt das gleiche, durch die Ein Kind Politik noch verstärkt.
So findet man nun junge Männer in grosser Zahl die alle keine Frau finden weil es keine gibt. Dafür gibt es nur noch Stammhalter. In 2020 werden ca.50 Millionen Chinesen keine Frau finden - welch ein Frust kommt da auf. Auf diese Weise werden sich die bevölkerungsreichsten Länder der Welt von selbst dezimieren.
Mit der gleichen Intensität mit der Vodafone hier in Indien wirbt sollte man eine Kampagne fahren in der den Menschen klar gemacht wird das das Geschlecht eines Babys durch die x/y Chromosome des Mannes bestimmt wird und nicht durch die x/x Chromosome der Frau. Das würde die Frauen dramatisch entlasten.
In was für einem gleichberechtigten Land leben wir in Deutschland!
Und dennoch, die Inder sind auch wunderbar, die strahlenden Zähne in der dunklen Haut, die Freundlichkeit und Leichtigkeit, die Liebe zum Chaos und das ewige "maybe" macht Unwägbares und Spontanes normal und möglich.
Doch nochmal eben zu Goa, nun war ich das erste mal dort aber viele die schon lange nach Goa kommen meinen das der Ort an dem ich gelandet bin der schönste sein an der Küste. Wenn Ihr also mal einen Strandurlaub machen wollt in Goa so fahrt an die Colva Beach. Ich war im Languinos Ressort direkt am Strand für ca. 50,-€ die Nacht. Aber es gibt auch viele Unterkünfte für weniger Geld.
Zwischen 5,- und 500,- Euro findet man dort alles an Schlafplätzen.
Es ist ein Traum, 47 km Sandstrand und weiches Meer lassen einen richtig runterfahren. Hier in Colva kann Frau im Bikini sein ohne von Gruppen indischer Männer angegafft zu werden (oder nur selten), Alkohol und Zigaretten rauchen ist in der Öffentlichkeit möglich was sonst in den meisten Teilen Indiens verpönt oder verboten ist (auch nicht schlecht).
Die Menschen sind freundlich, nur die Händlerinnen die einem in Scharen Ihre weniger guten Stoffe und billigen Schmuck verkaufen wollen sind etwas lästig.
Jetzt bin ich gerade in Delhi auf dem Rückflug und spüre die Strömungen des Meeres in meinen Adern pulsieren - wie gut hat das getan.
Ich wünsche euch gesegnete Weinachten und freue mich auf Deutschland
Mo
14
Nov
2011
Rishikesh
Shiva in Rishikesh
Zwischen zwei Touren „Buddha Steps“ nach Delhi – Varanasi – Bodhgaya fuhr ich einige Tage nach Rishikesh. Man nimmt den Zug von Delhi ca. 5 Std. nach Haridwar, von dort mit dem Taxi nach Rishikesh.
Indiens Bahn hat das dritt längste Schienennetz der Welt und auf den Bahnhöfen lernt man das echte Indien kennen. Nichts für sensible Nasen, Ohren, Augen und saubere Hosen aber eine weit verbreitete Art zu reisen. Wenn ich dann morgens um 5.30 im Halbdunkel auf dem Bahnsteig stehe und graue in Decken gehüllte Gestalten erheben sich aus dem Schlaf und beginnen Ihre erste Bettelrunde und strecken Ihre Armstümpfe aus – puhh das ist immer wieder mühselig.
Aber ich wollte nicht in Delhi bleiben, es ist ein halbmoderner 14 Millionen Moloch und für mich hat die Stadt über der die typische asiatische grau gelbe Großstadt Dunstglocke hängt kaum Flair, obwohl mich das National Museum of India am Janpath mit seiner großen Skulptur und Malerei Sammlung richtig begeistert hat.
Ich bin etwas Großstadt müde, es sind einfach sehr viele Menschen. Varanasi ist chaotisch, bunt, laut, dreckig und überall tritt man in Kuhscheiße. Ich halte die Tiere nicht für heilig sondern für verwöhnt und doof. Als ich das einer Kuh gesagt habe die sich auf einer übervollen Hängebrücke in Rishikesh breit machte so das keiner mehr durchkommt (man versucht auch die Tiere nicht zu berühren und jeder macht Platz) hat sie mich angeschaut und auf mein Kleid gerülpst – blöde Kuh!!
Rishikesh liegt wunderbar am Eingang des Himalaya. Hier kommt die heilige Mutter Ganga gletscherblau von den Bergen geflossen, hier ist Sie breit wie die Mosel und hat eine starke Strömung. Morgens und abends weht ein kraftvoller Wind das Tal hinab und bringt frisch milde Luft von Nanda Devi und Kailash. Auch die kühlen Nächte zeugen von den nahen Bergen. Grosse Vishnu und Rama Tempel ziehen Ströme von indischen Pilgern an, die alle über diese besagt Hängebrücke laufen. Viele Yoga Ashrams indischer Gurus und Yoga Traditionen locken hingegen ein interessantes junges internationales Yogapublikum an. Man kann in einem Monat ein Teacher Training machen (die 200 Std. Yoga Alliance Ausbildung) oder sich im Maharishi, Bakhti, Kriya oder Shivananda Yoga Ashram einloggen. Einige folgen einem festen Lehrer, andere schnüffeln in die Klassen von Iyengar, Hatha oder Asthanga Styl. Das habe ich auch getan. In einem wunderbaren lichten Yogaraum direkt an der Ganga, groß, neu, sauber, in der Yoga and Meditation Association of India habe ich alle 3 Public classes besucht.
Morgens 2 Stunden Hatha Yoga, abends 2 Stunden Asthanga die erste Serie, danach Pranayama und Meditation. Ach wie gut hat das getan mal selber wieder beübt zu werden und es war lustig zwischen diesen wachen und lernbegierigen 25 Jährigen zu üben.
Klar das der Lehrer sieht das ich erfahren bin, klar das ich gefragt habe ob er nicht einen Senior Teacher für seine Ausbildung braucht, klar das ich eine Probestunde unterrichtet habe, klar das alle begeistert waren, klar das ich einsteigen könnte.
Immer wieder schön Chancen und Perspektiven zu haben auch wenn es das entscheiden schwer macht – mal sehen.
Dieweil vertiefe ich mein Verständnis über die Indische Kultur und Religon und finde dieses Land immer noch sehr spannend. Dennoch gehört meine Liebe nach Nepal und Tibet auch wenn es in Kathmandu an Wasser fehlt. Apropos, nach der nächsten Tour wollte ich eigentlich nach Kathmandu für 17 Tage (soviel Tage habe ich dieses Jahr noch auf Touristen Visum Basis) aber ich werde umbuchen und Strandferien in Goa machen. Der Gedanke sprudelt wie Champus in meinen Adern saubere Luft und Ozean. Danach freue ich mich auf Zimtsterne und Glühwein und Weinachten zu hause.
baden in clean mother Ganga
So
28
Aug
2011
Kailash mon amour
Seit drei Tagen wieder in Frankfurt schreibe ich diesen Artikel bevor alle Freunde mich fragen "Wie wars?" und nach 5 mal erzählen die Energie verpufft ist:
Im Mai/Juni habe ich die Saga Dawa Tour zum Kailash geführt und mit einem Monat Pause im Juli/August die gleiche Runde noch einmal. Die Reise die immer noch einen Monat dauert ist nach wie vor eine brilliante Komposition und die Route bezüglich der Höhenaklimatisation und der unterschiedlichkeit der Eindrücke ein kleines Kunstwerk. Nach wie vor sehr anstrengend wird der Trip dennoch immer komfortabler.
Früher hatte ich alle Hände voll zu tun die Gruppe zu beruhigen wenn der Flug nach Simikot nach 5 Tagen immer noch nicht ging. Maoistischen Rebellen (die heute in Nepal an der Regierung sind) nahmen überteuerte Wegezölle von den Touristen (100$ pro Person). Ich musste die Tibeter ermuntern die kaputten Blattfedern Ihrer Jeeps mit einer alten Schuhsohle zu flicken anstatt wild zu debattieren, die Gäste aufbauen nach einer langen und anstrengenden Fahrt über die unbefestigten und staubigen Pisten, den versoffenen Fährmann überreden seine Fähre über den Tsangpo anzuwerfen obwohl die chinesische Regierung im entfernten Bejing verfügt hat, das alle Fähren im Hochwasser Monat August geschlossen bleiben. Zu guter letzt mussten alle die Nerven behalten weil auf der Rückfahrt, bereits auf der nepalischen Seite nochmal eben 12 Erdrutsche waren. So waren wir alle froh, heil und lebendig wieder im schönen Hotel Vajra in Kathmandu anzukommen zu sein und morgens einen frischen Obstsalat essen zu können. Wir hatten alle Angst und das mit gutem Grund und wir waren alle wütend und auch das zu Recht.
Tut mir leid wenn ich nostalgisch werde aber so habe ich die Kailash Reise viele Jahre erlebt geleitet und geliebt.
Nun ist die Asphalt Landebahn in Simikot fertig und wir müssen selbst im Monsoon kaum länger als einen Tag warten weil die Landebahn nicht mehr abtrocknen muss bevor ein Flieger geht. Ebenfalls hat China in der letzten drei Jahren Milliarden von Yüan in den Ausbau der Infrastruktur von West Tibet investiert, so das nun dieses Jahr die Asphals Strasse von Ali der Hauptstadt im Westen bis Lasha auf einer Strecke von 900 km fertig ist. Sie wird von Stromleitungen flankiert und auf den Hügeln stehen Handy Masten. Die Rückfahrt die früher 5-6 Tage gedauert hat legen wir nun in 2 Tagen zurück und haben somit noch genügend Zeit den Manasarowar See zu umrunden ( was ich persönlich langweilig und anstrengend finde, meistens habe ich dann die Nase von der Höhe auf 4700 m bereits voll).
Heute kommen die gruppendynamischen Prozesse sowie die körperlichen und psychischen Turbulenzen mehr in den Vordergrund (nicht das wir früher nicht krank waren und neurotisch waren, aber es war nicht so wichtig). Es werden Führungsfähigkeiten gefordert die nicht nötig sind und systemisch therapeutisches Können das ich da oben nicht habe. Die zwischenmenschlichen Begegnungen waren z.T. herb, andere sehr bereichernd. Kailash bleibt die Meisterrunde auf vielen Ebenen auch wenn ich nicht immer alle Hürden bestehe.
Ich erinnere noch Zeiten in Darchen, dem Dorf und Ausgangspunkt der Kailash Kora wo ich zum scheissen einfach raus aufs Hochplateau gelaufen bin und hinter einer Brennessel bis auf ein Rudel wilder Hunde meine Ruhe hatte mit einer grandiose Sicht auf die Seen, das Gurla Mandata Massiv und die unendliche Weite. Die öffentlichen Klos in Darchen und Tibet überhaupt haben sich nicht geändert, man findet Sie dem Gestank folgend 300m gegen den Wind. Jetzt ist Darchen noch mehr verdreckt und so gewachsen das ich nicht mehr aus dem Dorf rauskome wenn ich muss. Selbst wenn, müsste ich an mehreren Police Stations und Checkpoints vorbei und würde mich neben eine neue Baustelle hocken. Die Tibeter ändern Ihren Lebensstil, es entstehen Motorrad Clans mit bunt geschmückten Maschinen und schöne traditionell gekleidete Nomaden Frauen fotografieren mich mit Ihren Handys.
Seit ein paar Jahren vergibt China in großen Mengen (ca. 100.000) Permits für Pilgerreisen zum Kailash an Indien. Von der Indischen Regierung werden Sie an die Bevölkerung verlost wie bei den Amis die Green Card. Inder reisen in grossen Gruppen von 70 - 120 Personen. Die indischen Reiseagenturen die sich auf diese Route spezialisiert haben stecken die Pilger in eine meist zu grosse bodenlange Daunenjacke und darunter schauen Flipflops und Saries hervor. Oft nicht sehr sportlich und auf die Höhe nicht vorbereitet werden die erschöpften Menschen auf Pferde gehievt und um den Kailash transportiert. Danach nochmal eben die Füße in den heiligen See Manasarowar halten und heim gehts. Unsere Agentur hat gelegentlich Probleme Jeeps und Fahrer zu bekommen oder Zimmer in Guesthäusern, weil alles von den Indern ausgebucht ist.
Die große Prominenz die Tibet und der Kailash in den letzten Jahren in den westlichen Medien hatte zeigt kaum Niederschlag am Kailash. Wo seid Ihr alle die Ihr so gerne dorthin wollt?
DasTraurigste wird oft von den Tibetern selbst veranstaltet.
Im Mai noch ganz in den Anfängen so war im August die Strasse um den Kailash schon halb fertig. Es sind Tibeter, allen vorran der Rimpoche der Drira Puk Gompo an der Nordseite des Berges der den Bau der Strasse fordert, fördert und z.T. finanziert. In wenigen Jahren wird Kailash ein spiritueller Disney Park sein und die Inder können vielleicht mit einem Bimmel Bähnchen um den heiligen Berg. Die Entwicklung ist rasend schnell und ohne Wiederstand. Es bricht mir das Herz wenn ich die Bulldozer und Bagger auf der Kora sehe die Erdmassen bewegen und Strommasten aufstellen. Es bricht mir das Herz wenn ich sehe wie die Tibeter die wundervollen heißen Quellen in Tirtapuri, einem der 24 geheimen Orte der Dakinis und starke Padmasambava Caves, das Wasser in betonierte Becken einfangen, in einer langen Pipe in ein abgelegenes Badehaus leiten in dem man Holzwannen mieten kann, die nach 2 Jahren bereits verrottet sind. Es bricht mir das Herz weil ich Romantikerin bin und eine langjährige Liebesbeziehung zu einem wilden, unberührten und unbezähmten heiligen Gebiet hatte.
"Ke Gane" - "what to do", mit diesem typisch nepalischen Kommentar werden die dramatischsten Ereignisse schicksalsergeben mit einem Achselzucken entgegengenommen.
Und dennoch bleibt diese Reise ein Juwel und nach wie vor erlebenswert. Dies war nun meine 12te Runde und nächstes Jahr nach der 13ten im April kommt die innere Kora, die in einem Tag gemacht wird da es keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Man ist lange auf 6000 m und geht über Geröll und Eismoränen. Ob danach mein Kailash Kapitel für dieses Leben geschlosssen wird oder nicht wird sich noch zeigen.
Kathmandu
Der Monat zwischen den beiden Kailash Touren war von einigen Verlusten geprägt, zuerst habe ich mein Handy mit allen Nummern in einem Taxi liegen lassen, dann zwei Wochen später ist mir eine Flasche Wasser durch mein neues Mäc Book gelaufen und hat einen Totalschaden verursacht. Timemaschine hat meine Daten gerettet aber ich habe im Moment keinen Zugriff darauf. Zu guter Letzt habe ich mich von Pratab getrennt meinem wunderbaren nepalischen Freund, aber leider hat dieser große kulturelle Unterschied und keine Kommunikation da er kaum Englisch spricht nicht funktion. Seit der Trennung geht es mir sehr viel besser.
Als ich von der zweiten Kailash Runde nach Hause kam sah ich das Ronnie der Schäferhund eine Kiwigroße offene Wunde an seiner eh sehr schwachen Hüfte hatte. Meinem Schreckensschrei folgend kam Amala auf dem Haus und kurz darauf der Tierarzt. Er meinte die Wunde sei voller Maden was ich mir echt nicht vorstellen konnte und am nächsten Tag müsse er operieren. Am nächsten morgen, nachdem ich die Gruppe am Flughafen verabschiedet hatte wurde Ronnie unter Vollnarkose gesetzt, auf den Gartentisch gelegt und der Arzt fragte mich ob ich Ihm wohl bei der Arbeit helfen und mit der Taschenlampe die Wunde ausleuchten könne - schluck - ja es waren ca. 60 Maden tief im Fleisch. Jetzt wird er für ein paar Tage verwöhnt und erholt sich, aber ob er noch lebt wenn ich wiederkomme weiss ich nicht, ich wünsche es mir sehr. Alles in allem war es eine ehr herbe Zeit und ein Trost war es mich nachmittags um 5 in meinem Atelier zu verbunkern und bis in die frühen Morgenstunden Aquarelle zu malen. Auch für eine schöne Abschiedsparty hat die Zeit noch gereicht, ich lade 3 Nepalis ein und 10 kommen, auch Stefan brachte nicht nur 5 seiner Jungs mit sondern 12. Amala hatte Momos gemacht und gekocht. Die Hütte war voll. Als alle weg waren holte Amala noch eine verborgene Flasche Brandy aus Tashis Geheimfach hervor. Das kommt gut wenn man 4 Wochen nichts getrunken hat. Bei aller Unbill, so und genau soo liebe ich das Leben.
So
29
Mai
2011
Das Hyatt und die Tibeter
Auf der Suche nach neuen Lokations für unsere Gäste zeigte ein Bekannter mir das imposante 5 Sterne Hyatt Hotel, drei Minuten von der Boudha Stupa entfernt mit Parkanlage und Pool in dessen Liegen sich ein Grüppchen Tibetischer Mönche in der Sonne räkelte und genüsslich Erdbeereis mit Schokosauce verspeiste. Ich hab es Ihnen gleich getan, ab und zu ein 5 Sterne Gefühl ist schon toll. Abends am Büffet traf ich Sie wieder.
Die Tibeter sind eine der finanziellen Oberschichten der Stadt (oder die Inder).
Das sorgt langsam bei den etwas wohlhabender werdenden Nepalis für Unmut. Grundstückspreise steigen und die besten Plätze in dem immer voller werdenden Valley haben oft die tibetischen Klöster inne. Auch wenn die meisten Tibeter mittlerweile in Nepal geboren sind und einen nepalischen Pass haben und auch viele Nepalis Mönche sind, ist es ein Exilvolk. Dennoch stehen die Klöster auf großen Geländen und sind offensichtlich reich. Tibeter sind stolz, erdig, gut im Umgang mit Geld und haben mit dem tibetischen Buddhismus eine überzeugende Religion von großer Weisheit und Tiefe.
Auf dem Frühjahrsretreat von Tenga Rimpoche traf ich einen Deutschen der von seinen Eltern 6 Häuser auf dem Land geerbt hat. Ohne Frau und Kinder überschrieb er die Häuser auf Tenga Rimpoche, er bleibt nun lebenslang Verwalter. Wir Westler lieben die Tibeter und Ihre Lehren und sind so sehr bereit zu geben.
Nun hat vor ca. einem Monat die chinesiche Armee etliche Millionen Rupien der nepalischen Armee zugesagt um „die Tibetfrage zu beruhigen“, was bedeutet das Flüchtlinge an den Grenze zurückgesendet werden sollen. Politische Free Tibet Demonstrationen schaden der Tibet Frage in Kathmandu und überall auf der Welt mehr als das Sie nützen. Die nepalische Regierung sieht das gar nicht gerne und am besten man verhält sich diesbezüglich politisch still.
Nächste Woche geht’s zum Kailash danach melde ich mich wieder
Ich grüße euch von Herzen, eure Minka
So
29
Mai
2011
Streik
Gestern kam jemand vom Volkszählungsbüro und konnte kaum glauben das ich alleine in dem Haus wohne, normalerweise wohnen ca. 40 Personen in so einem Haus. Alle leben hier im Rudel oder Schwarm. Lernt man Nepalis kennen, was recht leicht ist dann hat das eine Kettenreaktion nach dem Muster: Darf ich dir die Frau des Onkel meines Neffen zweiten Grades vorstellen? Und dies ist die Schwägerin der Tante meines Cousins. Geschwister sind zahlreich, Netzwerken normal. Jeder hat ein Handy, alle sind in Facebook, Nachbarschaft und Freundeskreis sind riesig. Streikankündigungen sprechen sich im Lauffeuer rum. Alles funktioniert über Netzwerk und das jeder jedem hilft wenn es Not tut gibt allen Sicherheit und Geborgenheit.
Omas sitzen an der Hausmauer und ab und zu kommt ein Kind in den Arm gehuscht. Vereinzelung gibt es nicht.
Auf diese Weise entstehen die Bhandas, das sind Streiks die sich jetzt vor dem Ablauf der Jahresfrist der Verfassungsgründung bilden und in einem generellen Fahrverbot für alle Fahrzeuge bestehen. So macht z.B. eine Minderheit auf Ihre Rechte aufmerksam.
Jeder der an diesen Tagen fährt riskiert eingeschlagene Scheiben oder ein brennendes Fahrzeug. Touristen Fahrzeuge sind erlaubt. Da zur Zeit jeder dritte Tag Bhanda ist, wirkt die Stadt recht friedlich, alle bleiben zu Hause. Die Politiker interessiert das wohl kaum, werden Sie doch von der UN als friedensstiftende Maßnahme Sitzungsorientiert bezahlt anstatt Ergebnis orientiert. D.h. je länger es keine Verfassung gibt, um so mehr verdienen die Politiker (meist Bramanen) die sich die Zeit mit Streit vertreiben welcher Neffe denn nun welchen Posten kriegt.
Die Presse ist frei, frech, klug, kritisch und wirkungslos.
Entwicklungshilfe
scheitert sowohl an den nepalischen Behörden als auch an der Fehlplanung der helfenden Länder.
Ein erfundenes Beispiel: Das Kanton Bern hat Gelder um einen nepalischen Hydropower Ingenieurs anzustellen (der Strom kommt hier von Wasserkraftwerken).
Das Gehalt ist auf 5000 Schweizer Franken festgesetzt. Dazu muß hier ein anderer Schweizer eine NOG (Non Government Organisation) gründen. Ein angemessenes Honorar sind aber nur 500 SF, also könnten 10 Hydropower Ingenieure eingestellt werden.
Das Kanton Bern besteht jedoch darauf dass nur einer eingestellt wird für 5000 SF. Also bezahlt der NGO Mann dem Ingenieur 500 SF plus 50 SF dafür das er den Erhalt von 5000 SF quittiert. 4450 SF gehen in die Tasche der Organisation, der nun das Problem hat so viel Geld hier auszugeben.
Bildung
ist sehr populär, die Maoisten haben es geschafft das Privatschulen bezahlbar sind und alle schicken Ihre Kinder zur Schule (es sei denn tief in den Remotet Aereas wo die Schule vier Täler weiter ist). Dafür sparen Sie sich meist die Butter vom Brot.
So gibt es einen starken Bildungssprung, Mädels und Jungs lernen gleichberechtigt und alle bis ca. 30 Jahren haben ein gutes Englisch und gute Bildung, Abi ist normal.
Ältere, vor allem Frauen können weder lesen noch schreiben. Mit der Bildung hält auch die Gleichberechtigung Einzug, in der Zeitung stand dass die Scheidungsrate drastisch steige und zu 80 % von Frauen eingereicht wird.
Aber was machen dann diese vielen gut Ausgebildeten Menschen, heiraten und Kinder kriegen?
Magie
Gestern Nachmittag, ca. 17 Uhr also die Stunde wo in den 450 Klöstern der Stadt die Abendpujas laufen sah ich, wie aus drei friedlichen fetten Vormonsun Wolken mitten über dem Tal plötzlich in einem langsamen Wirbel sich eine riesige Wolkensäule erhob und sich gemächlich einmal um die eigene Achse drehte. Dabei hatte Sie zuerst die Form eines Menschen der zwei Kinder in Schoßhöhe umfängt, dann eine vollbusige Dakini, ein Pferdekopt, ein Widderkopf und kam als Thron zum Stillstand mit Arm- und Rückenlehnen, der Tron der Götter. Ein imposantes Natur Schauspiel das die Lamas mit Ihren Trommeln und Zimbeln auslösen, wie der indische Flötenspieler mit der Kobra.
Dann schaue ich voll Ehrfurcht in den windigen Himmel und bete und ein Schwall von Dankbarkeit entströmt meinem Herzen.
So
01
Mai
2011
Das Leben in Kathmandu
Liebe Freunde,
Es ist kurz nach Ostern und ich weiß das bei euch zu Hause die Magnolien und der Rododendron blüht.
Hier in Kathmandu lebe ich mich ein. In "meinem" Haus gibt es mal stille und mal bewegte Tage, Sie kommen und gehen.
Sehr stark spüre ich meinen rastlosen Geist der Dinge bewegen möchte, doch hier geschehen die Dinge wenn es an der Zeit ist.
Ich lerne darauf zu vertrauen das sich die Sachen zur rechten Zeit einstellen, das entspannt.
Ich habe so etwas wie eine Tochter, Sapana, die Tochter unseres Kochs, deren Mutter einen neuen Mann hat und weggezogen ist.
Sie hat Ferien und hatte sich für eine Weile bei mir eingenistet.
Fasziniert beobachte ich wie das junge Mädchen sich ganz natürlich in den weiblichen Rhythmus fügt und für die Dauer Ihrer Tage still im Haus bleibt
(so wie es die Yogis empfehlen, jedoch nicht dem westlichen Lebensstil entspricht),
am 4 Tag wird geduscht und dann gehts wieder ins Leben. DIe Nepalis sind ein Naturvolk.
Morgens und abends wird der Tag mit Glöckchen, Wasser- und Lichtopfer vor dem kleinen Hausaltar ein und ausgeläutet.
Das Leben ist unspektakulär und langsam.
Täglich bin ich an der Swoyambu Stupa, gehe entweder zum Training die Treppen rauf und runter oder verweile einfach auf halbem Weg und mache Zeichnungen.
Oder ich umrunde Sie morgens um 5 Uhr zusammen mit Amala, meiner tibetischen Vermieterin in einem trabendem Strom von Mantra murmelnden Tibetern.
Diese Stupa, an deren Hängen tausende von Affen leben und die zum Weltkultur Erbe gehört symbolisiert u.a. das Mandala der Dhyani Buddhas und ich spüre Ihre Regenbogenfarbene Strahlkraft. Das
berührt mich tief und erfüllt mich mit Dankbarkeit hier zu sein.
Es gibt wenig Benzin und das ist auch noch recht teuer. Gestern bin ich an einer endlos langen Moped Schlange vorbeigekommen. Sie warten 5 Stunden und bekommen 5 Liter pro Fahrzeug. Das führt
dazu das man sich in dieser Stadt nicht so viel bewegt sondern im Viertel bleibt. Langsam denken die Nepalis übers Fahrrad fahren nach, aber die Räder die es hier zu kaufen gibt sind schlecht. Es
wäre super mein schönes Fahrrad aus Deutschland mitzubringen, allerdings würde es wahrscheinlich bald geklaut sein.
Als mir klar wurde wie hoch die Erdbeben Gefahr in Kathmandu ist habe ich mich schlau gemacht und bin für ein paar Tage mit "Erdbeben Augen" rumgelaufen, was würde ich tun wenn es jetzt käme,
wohin flüchte ich und wie verhalte ich mich? Sollte es eines Tages kommen hätte kaum einer eine Chance. Die Häuser haben keine sichere Statik,
sind auf Seeschlamm gebaut und viel zu wenig Zement in der Mischung, die Nepalis sind nicht informiert und es interessiert Sie auch nicht.
Mögen die Götter geben das es an Dashain passiert, einem Fest wo jeder in seinem Dorf ist und die Stadt wie leergefegt.
Diese reale Bedrohung machen die 4 edlen Gedanken für mich sehr konkret und dringlich:
Die Kostbarkeit der menschlichen Existenz und
die Gewissheit von Vergänglichkeit und Tod,
die Bedrängnisse in Samsara (dem Kreislauf der Wiedergeburten) und
das Karmische Gesetz.
Mein Atelier füllt sich mit kleinen Zeichnungen und Aquarellen in die ich voll Hingabe abtauche.
Auch ist mir das stille sitzen ein tiefes Bedürfnis. Ich fühle mich noch nicht so klar in meiner Ausrichtung. Ich lerne Menschen kennen und vernetze mich.
Ende Mai wird es politisch spannend, dann ist das dritte Jahr abgelaufen und die Regierung, von der UN hochbezahlt, sollte bis dahin die Verfassung geschrieben haben, hat Sie aber nicht. Es ist
keine Bewegung im politischen Gefüge außer das die ursprünglich 5 Parteien sich mittlerweile in 10 Parteien gesplittet haben und gegeneinander stehen. Der UN wird dann vermutlich ein weiteres
Jahr Verfassungsgründung finanzieren müssen, in dem wieder nichts geschehen wird. Die hochrangigen Parteimitglieder sind überaltert (meist über 65), junge Leute stehen in den Startlöchern, kommen
aber nicht ran. Aber ich glaube nicht das es noch mal einen Bürgerkrieg geben wird, zu schlimm war der letzte Bürgerkrieg. Es gibt wenig Arbeit für die Nepalis, die meisten arbeiten in den
Arabischen Emiraten oder den anderen reichen asiatischen Staaten, qualifizierte Leute sind daher hier schwer zu finden.
In den Dörfern bleiben die Alten, Kinder und Frauen zurück.
Viele junge Menschen leben in dieser Stadt die bei weitem nicht ausgelastet oder gefordert sind.
Obwohl 2011 das Tourismus Jahr ist kann ich nicht sehen das der Staat etwas dafür getan hat. Ein paar Plakate, hier und da ein Konzert, das wars.
Ich lebe sehr nepalisch. Ich benutze die öffentlichen Verkehrsmittel, das sind kleine Busse, wie Sprinter in denen 20 Leute sitzen. Man darf kein Kontaktproblem haben wenn man so unterwegs ist.
Ich koche und kenne nun auch die Läden für Jogurt, die Märkte für frischen Salat und wie immer, Reis und Linsen.
Ich lebe gesund, Bier und Wein sind recht teuer, die Kippen schlecht. So reduziert sich alles automatisch.
Es gibt hier kaum Supermärkte oder große Geschäfte, dafür viele viele kleine Shops. Jeder vierte Shop ist ist eine Schreinerei in der Sie Möbel bauen.
In diesen Läden gibt es alles, ich frage mich durch und entdecke.
Hier an der Westflanke der Stadt weht oft ein Wind den Smog hinweg und es gibt glasklare Tage an denen die Berge in scharfen Konturen den Talkessel markieren. Gebetsfahnen prasseln im Wind. Seit
drei Tagen sind die Mücken da.
Jetzt kommt der deutsch-nepalische Psychotherapeuten und Ärztekongress, ich bin zur Abschlussparty eingeladen :-)
Mi
16
Mär
2011
Die ersten Tage in Kathmandu
Also, Kathmandu ist 4,5 Stunden später als Düsseldorf, ich hab in meinem Ipod eine Weltuhr. Hier ist es 20 Uhr und bei euch 15.30 Uhr.
Aber es ist egal wann Ihr mir schreibt, hier wird die Zeit nach dem Strom diktiert und der wird bis Mai immer weniger. Man sagt das es im April nur 3 Std. Strom gibt am Tag.
Zur Zeit bin ich noch im Hotel Vajra, da gibt es einen Generator und das verlängert die Zeit. Ohne Strom auch kein Internet. Wenn ich in 3 Tagen in der Wohnung nebenan bin, die ich gestern gestrichen und heute geschrubbt habe wird es knapper mit Strom.
Mal gucken wie das geht, jeden Abend das Essen mit der Taschenlampe kochen ist mühsam. Wahrscheinlich am besten ist es tagsüber zu kochen auf Vorrat.
Es gibt auch einen Kühlschrank aber da das Haus keinen Generator hat weiß ich noch nicht ob der rund läuft.
Ich gönne es mir am Anfang ein wenig komfortabel (für meinen bescheidenen Maßstab), hier im Hotel kenne ich alle und sitze morgens um 5.30 mit dem Restaurantstuff an der Bar und schlürfe den
frischgebrühten Kaffee das wir gerade hier modern. Nepal baut Kaffee an und der ist sehr gut.
Mir fehlen meine Freunde und Kontakte, deshalb halte ich mich hier am gewohnten Hotel
fest, das tut gut.
Das Leben wird hier von sehr rudimentären Bedingungen strukturiert, irgendwie mag ich das, auch wenn es alles umständlicher macht.
Die ganze Situation in Kathmandu wie z.B. der Strommangel, oder die fast ins Unerträgliche wachsenden Müllberge an den Ufern des Bagmati River, die ständig kokeln, oder der tagsüber fast nur noch
stehende Verkehr führen keineswegs dazu das sich etwas ändert. Dieses Land ist so langsam.
Es könnte so viel Strom geben bei den Wassermengen die der Himalaya ausschüttet, das würde für Indien und China mit ausreichen, aber keiner tut was.
Die Nepalis fürchten von Ausländischen Investoren abgezockt zu werden und blocken jede Bemühung, die eh nur sehr spärlich sind,
da keiner in ein Land investiert das keine Regierung hat, keine stabilen Gesetze und keinen Staatshaushalt.
Einige indische Investoren und reiche Nepalis bauen nun sehr moderne Häuser "western Style" mit Swimmingpool und so und das in einer Stadt die akuten Wassermangel hat, wo das Trinkwasser mit
Tanklastern angefahren wird. Erdbebensicher sind diese Häuser keineswegs und auch nicht aus angemessenen Baumaterialien, die Presse regt sich auf.
Jedoch hat die provisorische Regierung einen Hilfsfond für Japan eingerichtet, aus welchen Töpfen ist schleierhaft.
Aus den mails meiner Freunde und Sangha in Deutschland entnehme ich die große Betroffenheit und Angst um Japan und den möglicherweise bevorstehenden Atom Supergau. Hier ist von Betroffenheit und
Anteilnahme vergleichsweise wenig zu spüren, jeder wuselt in seinem Geschäft. Vielleicht weil hier große Katastrophen viel normaler sind, oder einfach mangelndes globales Bewußtsein,
Umweltbewußtsein, mangelnde Verantwortung für diesen Planeten auf jeden Fall.
Das Zeug mit dem ich heute mein neues Bad desinfiziert habe kommt aus Indien, war tiefblau und mit Sicherheit so giftig das das in Deutschland verboten wäre. Ich hab die ganze Pulle
verbraten.
Wir sind in Deutschland auf einem so hohen Niveau an Bewußtheit, Verantwortlichkeit und Reflexion, wir wissen das gar nicht zu schätzen und scheinen auch irgendwie am Ende dieser Leiter
angelangt.
Kaum ein Nepali hat je sein Land verlassen, die Mentalität ist recht einfach, fast pubertär. Es gibt keine Kultur des lesens, befremdet schauen Sie auf meinen wachsenden Bücherstapel. Nur für die
junge Generation ist lesen und englisch normal, der Unterschied ist riesig zu den Menschen meines Alters erst recht bei den Frauen. Dennoch sind sie so liebenswürdig, viel weicher, stiller und
feiner als die penetranten Inder.
Es wird wohl noch Generationen brauchen bis Nepal auf dem Stand von Deutschland ist und im Moment interessiert sie hauptsächlich der Wohlstand, in China und Indien dürfte das nicht anders sein -
ob das der richtige Weg ist der die Menschen zu ihrer wahren Natur führt?
Ich bin mit eingewöhnen beschäftigt, so viele alltägliche Gewohnheiten die sich hier ändern, das stellt die Frage "Wer bin ich" auf eine ganz andere Weise.
Ich fühle mich irritiert, einsam und zerbrechlich und ich finde das nicht schlimm. Auch bin ich noch orientierungslos bezüglich dem was ich hier will oder soll,
aber auch das macht nichts. Wie gut das ich mich schon seit Jahren an die Wirklichkeit der substantiellen Unsicherheit und Bodenlosigkeit allen Seins gewöhnt habe, das trägt jetzt. Immerhin, der
Rahmen steht ja: Ich habe einen Job, der mir einen anderen Rhythmus auferlegt, dort waren es die täglichen Kurse, hier die Reiseleitungen mit viel freier Zeit dazwischen.
Auch die Frage "Was brauche ich eigentlich" bringt täglich neue abgespeckte Antworten. Dachte ich vor einem halben Jahr noch eine Badewanne zu brauchen, bin ich nun froh überhaupt eine Dusche mit
gelegentlich warmen Wasser zu haben und zwei Schüsseln für die Handwäsche. Auch brauche ich einen sauberen Teppich und Boden für die Yoga und Meditationpraxis. Leider specke ich auch meine
ästhetischen Ansprüche ab, ich finde den hier üblichen Gelsenkirchener Barock immer noch häßlich, bin aber froh überhaupt einen Schrank zu haben.
Ich bin froh wenn ich morgens nach dem Kaffee ( dann ich die Luft noch recht sauber ) drei mal zur Stupa rauf und runter laufen kann, und ich habe meinen Ausdauersport.
Das nächste Projekt ist die Sprache lernen, das nimmt mir das Gefühl der Enge und Unbeweglichkeit. Hier sprechen fast alle englisch, aber wenn ich wo anders hinziehe weil ich ein Häuschen suche
wo ich dann keinen kenne, dann brauche ich Nepali und etwas Tibetisch, auch das einkaufen und viele Kleinigkeiten wären leichter.
Ich bin so dankbar das der Rechner funktioniert und das Internet, es tut so gut zu schreiben.
Auch bin ich dankbar für die ganze innere Arbeit der letten Jahre, die tiefe Akupunkturbehandlung,auch die ganzen Familienstellungen, inneres Kind und so, ich fühle mich frei von Altlasten. Egal
wer ich bin, ich treibe weiter in den Fluten des bedingten Entstehens, manchmal im Gewahrsein der Verbundenheit was (angesichts Japans) nicht immer nett ist.
Es ist Nacht, die Hunde bellen.
Mi
23
Feb
2011
Die letzten 3 Tage vor Abflug
Meine Schwester Annette kommt um mir zu helfen, die stark benutzte Wohnung in den Zustand einer angenehmen Neutralität zur Untervermietung zu versetzen. Khema mein Hund ist läufig, haart wie Harry und hat sich ein totes Kaninchen ins Fell gescheuert. Ihre Spuren sind überall. Während Annette sich auf die Böden und Fenster stürzt widme ich mich der Sortierung meiner Lehr- und Studien Skripte,
was geht mit nach Nepal und was bleibt vorerst in Düsseldorf.
Vodafone ärgert mich, die wollen mich nicht aus dem Vertrag rauslassen. Wenn es so schwierig wäre da rein zu kommen wie raus, wäre Vodafone pleite und das wäre auch nicht verkehrt. Schnell in Köln 4 Speditionskisten besorgen und der letzte Schuhkauf bei Globetrotter. Einige Möbel zur Schwägerin fahren und die Flipchart zu Yamuna dabei eben noch einen kleinen Autounfall gebaut mit dem Auto das bereits verkauft ist. Die letzten Besorgungen in der Apotheke und schnell noch eine Cholera Impfung – puhh jetzt bin ich Impfmüde. In 2 Monaten Hepatitis, Tollwut, Polio, Cholera – es reicht. Bei Brigitte die Postvollmacht vorbeibringen und den Nachsendeantrag abgeben, bei der Bank auf online Banking umstellen und den elektronischen Kontoauszug einschalten.
Die Wohnung ist ein Chaos das systematisch gesäubert wird, der Speicher dagegen immer sortierter, da hier alles reingestopft wird was nicht in der neutralen Wohnung sein soll. Mit Verena an der Zulassungsstelle treffen und das Auto übergeben, Christoph kommt mit dem Untermietvertrag und nimmt die Schlüssel, Salim begleicht noch alte Schulden so das dass Portmonaie voll ist, Khema bei Tasso, dem Ordnungsamt und der Versicherung auf Emilie überschreiben, die Waschmaschine läuft ununterbrochen, alle Hundedecken, Matratzenschoner und anderes will noch trocknen, die Wohnung bei den Stadtwerken ummelden, die Aufgaben an wunderbare Freunde verteilen und alle vernetzen, dann das packen dieser großen Kisten. Als Stopfmaterial dienen die Yogamatten und Blöcke, ob der Drucker heile in Kathmandu ankommt? Hab ich zu allen elektronischen Geräten die Gebrauchsanweisung dabei? 3 externe Festplatten, ein Ipod, Rechner, Drucker, Kameras, USB Sticks, Handy usw. Wie blöd das ich in ein Land ziehe in dem es kaum Strom gibt, eigentlich brauche ich auch die dreifach Stecker nicht. Josef kommt vorbei und bringt noch einen eingelagerten Tisch, Rudolf kommt vorbei und holt den anderen Tisch ab, Martina bringt als Geschenk für Nepal Kresse Samen vorbei, beim Japaner Algen und Miso kaufen und die letzte Beratung beim Frisör wie ich mir die Haare selber schneide und färbe. Morgens in einem Rutsch die drei Kisten gepackt die per Air Cargo nach Kathmandu fliegen und in drei Wochen dort ankommen sollen, da ich zuerst mit einer Gruppe in Indien bin und dann von Delhi aus nach Kathmandu fliege. Immer wieder Telefonate mit der Spedition was darf mit und was nicht. 100 kg sind jetzt unterwegs. Bin halt ein Stierchen und liebe meinen Hausrat, auch wenn es lästig ist. Ich habe keine Zeit zu wissen wie es mir geht, keine Zeit für Freude oder Trauer, nur abarbeiten. Schnell noch den Steuerabschluss von 2010 und die Rentenversicherung will auch noch was von mir. Ausgerechnet jetzt fragt mich die blöde GEZ warum ich keine Glotze habe.
Ach ja, ich leite gleich eine Gruppe, was muss ich eigentlich für Indien mitnehmen? Mein Bruder, der sonst nie in Düsseldorf auftaucht lädt uns zum Japaner zum essen ein. Auf den letzten Seiten gehen dem Drucker die Patronen aus und das Ticket ist noch nicht gedruckt, auch nicht der Reiseplan für die Indien Reise.
Zur Zeit habe ich zwei Pässe und ich habe gehofft auf diese Weise zwei mal ein Touristenvisum zu je 5 Monaten für Nepal zu bekommen, dann wäre ich vorerst fein raus gewesen. Der vorläufige Pass ist aber nicht mehr lange genug gültig und so werde ich die Visumsfrage die ein ständiges Thema bei den Menschen ist die dort leben schon im Herbst am Bein haben. Nun ja, vielleicht kennt der nepalische Konsul da einen Weg.
Abflug auf die letzte Minute, in Delhi angekommen (ich bin einen Tag vor der Gruppe da) 20 Stunden schlafen und heulen im Wechsel. Jetzt zwei Tage später in Varanasi, bei angenehmen 25 Grad ist alles gut.
Ohne die Hilfe meiner wunderbaren Schwester hätte ich das alles nicht geschafft. Die Hilfe, Unterstützung und Anteilnahme meiner wunderbaren Freunde gaben mir das Gefühl von Geborgenheit, Schutz, Halt und Verbundenheit – dafür danke ich euch allen sehr!
Mo
13
Dez
2010
Deutschland
Die Blüten des Wohlstandes
Asien schult meine Sinne, Respekt und Wertschätzung für Deutschland.
Wir haben auf allen Ebenen von allen Dingen reichhaltigste Auswahl zur Verfügung
in der weltweit fast höchsten Ladendichte.
Jedes Produkt ist in allen Marken und Preisklassen nur eine Station oder Mausklick entfernt.
Wir finden Essen aus allen Ländern in allen Innenstädten.
Die Blüten des Wohlstandes: Umwelt- und Gesundheitsbewußtsein.
Im Smog Moloch Delhi läßt sich via Internet Radio die Feinstaubdebatte verfolgen.
Der Rhein hat ca. 30 km hinter Bayaer Leverkusen fast Trinkwasser Qualität und kommt kochend durch den Durchlauferhitzer in die Spüle. Die Wälder duften in jeder Jahreszeit.
Die Demokratie ist ausgereift, politische Freiheit und Sozialsystem vorhanden.
Es gibt gute Schulbildung vom Staat bezahlt und auch Studieren ist für die meisten möglich.
Wir haben Recht und Gesetz und wohlbezahlte Angestellte des öffentlichen Dienstes, so das Korruption nicht üblich ist. Das Internet ist schnell, der Verkehr wohl gelenkt, nur bei der Bahn bekommt man manchmal asiatische Gefühle.Wir sind stabil und reich auf vielen Ebenen.
Ich liebe das gute alte Deutschland