Das Leben in Kathmandu



Liebe Freunde,
Es ist kurz nach Ostern und ich weiß das bei euch zu Hause die Magnolien und der Rododendron blüht.
Hier in Kathmandu lebe ich mich ein. In "meinem" Haus gibt es mal stille und mal bewegte Tage, Sie kommen und gehen.
Sehr stark spüre ich meinen rastlosen Geist der Dinge bewegen möchte, doch hier geschehen die Dinge wenn es an der Zeit ist.
Ich lerne darauf zu vertrauen das sich die Sachen zur rechten Zeit einstellen, das entspannt.

Ich habe so etwas wie eine Tochter, Sapana, die Tochter unseres Kochs, deren Mutter einen neuen Mann hat und weggezogen ist.
Sie hat Ferien und hatte sich für eine Weile bei mir eingenistet.
Fasziniert beobachte ich wie das junge Mädchen sich ganz natürlich in den weiblichen Rhythmus fügt und für die Dauer Ihrer Tage still im Haus bleibt
(so wie es die Yogis empfehlen, jedoch nicht dem westlichen Lebensstil entspricht),
am 4 Tag wird geduscht und dann gehts wieder ins Leben. DIe Nepalis sind ein Naturvolk.
Morgens und abends wird der Tag mit Glöckchen, Wasser- und Lichtopfer vor dem kleinen Hausaltar ein und ausgeläutet.
Das Leben ist unspektakulär und langsam.

Täglich bin ich an der Swoyambu Stupa, gehe entweder zum Training die Treppen rauf und runter oder verweile einfach auf halbem Weg und mache Zeichnungen.
Oder ich umrunde Sie morgens um 5 Uhr zusammen mit Amala, meiner tibetischen Vermieterin in einem trabendem Strom von Mantra murmelnden Tibetern.
Diese Stupa, an deren Hängen tausende von Affen leben und die zum Weltkultur Erbe gehört symbolisiert u.a. das Mandala der Dhyani Buddhas und ich spüre Ihre Regenbogenfarbene Strahlkraft. Das berührt mich tief und erfüllt mich mit Dankbarkeit hier zu sein.

Es gibt wenig Benzin und das ist auch noch recht teuer. Gestern bin ich an einer endlos langen Moped Schlange vorbeigekommen. Sie warten 5 Stunden und bekommen 5 Liter pro Fahrzeug. Das führt dazu das man sich in dieser Stadt nicht so viel bewegt sondern im Viertel bleibt. Langsam denken die Nepalis übers Fahrrad fahren nach, aber die Räder die es hier zu kaufen gibt sind schlecht. Es wäre super mein schönes Fahrrad aus Deutschland mitzubringen, allerdings würde es wahrscheinlich bald geklaut sein.

Als mir klar wurde wie hoch die Erdbeben Gefahr in Kathmandu ist habe ich mich schlau gemacht und bin für ein paar Tage mit "Erdbeben Augen" rumgelaufen, was würde ich tun wenn es jetzt käme, wohin flüchte ich und wie verhalte ich mich? Sollte es eines Tages kommen hätte kaum einer eine Chance. Die Häuser haben keine sichere Statik,
sind auf Seeschlamm gebaut und viel zu wenig Zement in der Mischung, die Nepalis sind nicht informiert und es interessiert Sie auch nicht.
Mögen die Götter geben das es an Dashain passiert, einem Fest wo jeder in seinem Dorf ist und die Stadt wie leergefegt.

Diese reale Bedrohung machen die 4 edlen Gedanken für mich sehr konkret und dringlich:
Die Kostbarkeit der menschlichen Existenz und
die Gewissheit von Vergänglichkeit und Tod,
die Bedrängnisse in Samsara (dem Kreislauf der Wiedergeburten) und
das Karmische Gesetz.

Mein Atelier füllt sich mit kleinen Zeichnungen und Aquarellen in die ich voll Hingabe abtauche.
Auch ist mir das stille sitzen ein tiefes Bedürfnis. Ich fühle mich noch nicht so klar in meiner Ausrichtung. Ich lerne Menschen kennen und vernetze mich.

Ende Mai wird es politisch spannend, dann ist das dritte Jahr abgelaufen und die Regierung, von der UN hochbezahlt, sollte bis dahin die Verfassung geschrieben haben, hat Sie aber nicht. Es ist keine Bewegung im politischen Gefüge außer das die ursprünglich 5 Parteien sich mittlerweile in 10 Parteien gesplittet haben und gegeneinander stehen. Der UN wird dann vermutlich ein weiteres Jahr Verfassungsgründung finanzieren müssen, in dem wieder nichts geschehen wird. Die hochrangigen Parteimitglieder sind überaltert (meist über 65), junge Leute stehen in den Startlöchern, kommen aber nicht ran. Aber ich glaube nicht das es noch mal einen Bürgerkrieg geben wird, zu schlimm war der letzte Bürgerkrieg. Es gibt wenig Arbeit für die Nepalis, die meisten arbeiten in den Arabischen Emiraten oder den anderen reichen asiatischen Staaten, qualifizierte Leute sind daher hier schwer zu finden.
In den Dörfern bleiben die Alten, Kinder und Frauen zurück.
Viele junge Menschen leben in dieser Stadt die bei weitem nicht ausgelastet oder gefordert sind.

Obwohl 2011 das Tourismus Jahr ist kann ich nicht sehen das der Staat etwas dafür getan hat. Ein paar Plakate, hier und da ein Konzert, das wars.
Ich lebe sehr nepalisch. Ich benutze die öffentlichen Verkehrsmittel, das sind kleine Busse, wie Sprinter in denen 20 Leute sitzen. Man darf kein Kontaktproblem haben wenn man so unterwegs ist. Ich koche und kenne nun auch  die Läden für Jogurt, die Märkte für frischen Salat und wie immer, Reis und Linsen.
Ich lebe gesund, Bier und Wein sind recht teuer, die Kippen schlecht. So reduziert sich alles automatisch.
Es gibt hier kaum Supermärkte oder große Geschäfte, dafür viele viele kleine Shops. Jeder vierte Shop ist ist eine Schreinerei in der Sie Möbel bauen.
In diesen Läden gibt es alles, ich frage mich durch und entdecke.
Hier an der Westflanke der Stadt weht oft ein Wind den Smog hinweg und es gibt glasklare Tage an denen die Berge in scharfen Konturen den Talkessel markieren. Gebetsfahnen prasseln im Wind. Seit drei Tagen sind die Mücken da.
Jetzt kommt der deutsch-nepalische Psychotherapeuten und Ärztekongress, ich bin zur Abschlussparty eingeladen :-)









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