Erdbeben Report 1

Liebe Freunde,

Es ist heiß hier in Nepal, ca. 38 Grad, der Monsun ein wenig zu spät. Schlecht für die Natur, gut für viele die Ihre Häuser verloren haben um ein Übergangs Shelter zu bauen. Wellblech wird knapp und die Wellblech Industrie könnte der größte Gewinner der Erdbeben Katastrophe sein.

 

Als ich am 7.6. im Vajra Hotel ankam sah ich noch wie von Roman Müller und den HET Männern für die letzte von 5 Fahrten ein bunt bemalter 20 Tonner beladen wurde. Roman hatte aus dem menschenleeren Vajra Hotel ein Material Lager gemacht, riesige Rollen Isomatten, Zeltplane, Wellblech und anderes Baumaterial sammelte sich dort um in 5 Ladungen ins Anchu Kola Tal zu gehen, im Ganesh Himal Distrikt.

 

 

Das nächste Projekt war ein gemeinsames: Mit Spendengeldern von mir (3000,- €), Roman, Thomas, allesamt Tibet/Nepal Reiseführer und Neue Wege hatten wir 11000 € zur Verfügung die ich nun (Roman ist wieder abgereist) an 45 Männer und Ihre Familien aufteile, die zu unserer Agentur gehören. Dies hilft den Verdienstausfall zu kompensieren und die magere Zeit zu überleben. Diese Männer sind mir seit fast 20 Jahren Weggefährten und Bodyguard, Köche und Liebhaber, zuverlässige Führer am Berg, Ratgeber, Lehrer, große Kinder.  Wir trinken abends im Küchenzelt den Staub und Stress hinweg, singen, erzählen einfache Geschichten, haben Höhen und Tiefen geteilt. Es war mir eine Freude diesen Engelsjob auszuüben. 

 

 

Erst gestern realisierte ich etwas das mich wirklich erschütterte, ich hatte bisher diese naheliegende Nachrichte einfach verdrängt.

 

Für alle die mit mir in den letzten 18 Jahren am Kailash waren, oder in Zentral Tibet: Erinnert Ihr euch an die abenteuerliche Abfahrt, nach Tagen der Reise auf der Wüste des tibetischen Hochplateau in ca. 4700m Höhe? Dann kommt noch einmal ein Pass von 5300m, weiter geht es nach Nylam (3700m). Ab da stürzt das Land senkrecht nach unten und aus allen Felsritzen quillt Wasser. Die Durchfahrt durch die Wasserfälle war für die Jeeps eine super Autowaschanlage nach wochenlanger Staubpiste. Auf 30 km  Serpentineverlieren wir 3500m Höhe und sind in Zhangmu, der Grenzstadt zwischen Nepal und Tibet, auf der tibetischen Seite.

 

 

Zhangmu liegt am Steilhang und die 20 km Serpentinenstrasse dieser Stadt ist der Hauptumschlag Platz für den nepalisch - tibetischen Handel. Ein buntes Gemisch aus chinesischer Polizei, pilgernden Indern, Nepalis, Händlern, Karaoke Bars, Prostituierten, vielen Hunden, Trekkern uvm.

Wir bleiben dort eine Nacht und gehen am nächsten Morgen über die Grenze nach Nepal.

Die eigentliche Grenze ist die Brücke über den Pote Koshi, der dort bereits ein reißender Gebirgsstrom ist.

Wir sind schon in kniehohen Wasserströmen die den chinesischen Grenzpalast überfluteten nach Nepal gewatet.

 

Dort sorgt Gopal unser Grenzführer dafür das unsere Güter aus dem tibetischen LKW auf ca. 40 Träger verteilt über die Grenze gebracht werden um ab Kodari, dem nepalischen Grenzort mit uns zusammen im Bus nach Kathmandu zu fahren.

Während wir deutschen Gäste in einem Teeshop auf unsere Pässe warten und uns freuen endlich aus der Höhe, der falbenfarbenen, staubtrockenen, sauerstoffarmen Wüste und aus dem von China besetzten Tibet raus zu, organisiert Gopal alle Formalitäten wie Visum, Gepäck, Träger, Bus...

Immer wenn es Erdrutsche auf der Strecke gibt und das ist häufig, organisiert Gopal uns einen imporvisierten Transport von Erdrutsch zu Erdrutsch, welche wir dann zu Fuß überqueren.

 

Dies ist das schönste Gebiet Nepals, die Abfahrt bis Banabesi, der Ort an dem wir über dramatischen Wassern zu Mittag essen ist unvergleichlich.

In senkrechten Schluchten mit wilden Bergwäldern und kleinen romantischen Strassendörfern mit Hühnern, Ziegen, Büffeln, Hunden und frechen Mädchen, mit frischem Quellwasser aus allen Felsporen, Farnen, Kräutern, Lianen, Reishängen. Wir reisen auf fast unpassierbarer Strassen - räusper (hier geht der ganze Handelsverkehr durch), die 1000m in die Tiefe gehen, direkt neben dem Reifen, es gibt kaum Fotos da der Bus nur schaukelt.

Hier leben tellergroße Spinnen, Zecken, Moskitos, Honigbienen, und Bungi springen kann man auch von einer Brücke über der senkrechten Schlucht.

Die Menschen leben in schlichter Demut in einer dramatischen und immer bedrohenden wilden wunderbaren Natur.

 

Soviel zu meiner Liebeserklärung an Sinduphalchok, dem am meisten vom Erdbeben betroffenen Distrikt. Das Beben hat die senkrechten Berge über Wochen gerüttelt und gespalten, Felslawinen haben Dörfer und unpassierbare Wälder in die Tiefe gerissen und der kommende Regen wird die angelockerten Berge abschwemmen.

 

Je nach Lage sind einige Dörfler noch oben, dort wo es nicht so gefährlich scheint. Sie versuchen zu bleiben, haben Ihre Familie dort, Felder und Tiere. Andere sind in tiefere Gebiete gewandert, auf dem Weg nach Kathmandu, wo es freie Feld Parzellen gibt und leben in Zelten und Notunterkünften. Die Situation ist von Strecke zu Strecke sehr unterschiedlich.

 

Gopal und sein  Dorf haben Haus und Felder verloren, aber Sie leben leben! Sie sind nun Refugies, Flüchtlinge, wie die die gerade aus dem Mittelmeer gezogen werden oder auch nicht.


 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0